Samstag, 17. Mai 2008

don't panic

wir sitzen beide auf meinem bett, es ist halb drei in der früh, ich trage ein türkises pyjama-kleidchen. bevor er kam, habe ich mir schnell überm brünneli die beine rasiert und mir mühe gegeben, die schläfrigkeit nicht aus meinem gesicht zu vertreiben. die steht jeder frau gut.
nun zieht er sich seine hellgrünen adidas aus und ich kommentiere: "du bist stinkbesoffen." "he das ist so unfair. du bist so eine sau. ich hab gedacht, du wärst auch aus und trinken. aber du bist einfach nüchtern." "ich fühl mich wie pfarrer sieber." "pfuusbus?" "ja." "stört es dich, wenn ich mein t-shirt ausziehe? riecht so sehr nach rauch." ich lege mich hin und strecke meine beine in die höhe. zum glück hatte ich mir aus langeweile meine zehen schwarz lackiert. oben-ohne dreht sich zu mir. "kannst du bitte deine beine runternehmen." "wieso?" "es irritiert mich." ich senke meine beine aufs bett und verschränke meine hände überm bauch. wir liegen da wie paula und felipe am strand in rimini, nur zum glück im dunkeln. er greift nach meiner hand. ich finds schön. ich fühl mich aber wie eine zuhälterin. er betrunken, ich nüchtern, er vergeben, ich nicht. wissen in form von nüchternheit ist: macht. dieses thema würde ich dann später in der nacht aufgreifen.
wir küssen und halten einander, irgendwie senkt sich sein blutalkoholpegel, ich freue mich über ein paar schwarze flecken an seinen oberarmen und beinen, tattoos, ich kann ihre genauen thematiken nicht ausmachen im dunkeln. wir erzählen uns von gelüsten und obsessionen, ich frage: "wie oft hat man denn so sex in einer beziehung?" und er antwortet: "ist ganz unterschiedlich. manchmal fünf mal die woche, manchmal zwei mal im monat. die lust auf eine person, mit der man schon ein bisschen zusammen ist, kommt ausm kopf. entsteht im kopf und wandert weiter." "wann hattest du das letzte mal sex?" "letzte woche. guter sex. so im halbschlaf. ich versuch dann jeweils, möglichst halbschlafend zu bleiben, das ist das beste. und du? hast du einen liebhaber?" "nein." "aber du unterhältst dich selbst?"
wir räkeln uns, bis es hell wird. dann schlafen wir dreiviertelstunden. "was machen wir bloss?" "also solange du das mit deinem gewissen ausmachen kannst... ist es egal, was wir machen." "weisst du, wir hätten diese nacht richtig guten sex haben können. so richtig unvergesslichen, triumphierenden sex." "du warst betrunken." "egal, es hat gestimmt." "du würdest es jetzt bereuen." "schlafen wir mal noch miteinander?" "ja." "wann?"
schöne, offene frage. wann? sex, wann? mit dir, wann? nüchtern, angetrunken? bei mir?
er hat schon wieder seine lederjacke an, ich stehe wieder in dem türkisfarbenen ding, wir umarmen uns, man könnte meinen, er verreise. wenn man einen vergebenen verabschiedet, verabschiedet man ihn immer ins ungewisse. und auch er: er weiss nicht, ob er jemals wieder arschloch genug sein wird, um nochmals in mein bett zu finden. betrunken genug wahrscheinlich schon.
es ist eine verabschiedung in einen luftleeren raum für mich und für ihn - nun, ich denke - in einen langen, langen katerzustand. und bekanntlich: schmerzmittel lindern den schmerz. die krankheit geht durch sie nicht weg.

vorhin hab ich "don't panic" von coldplay gehört. ich wünsche es ihm. einfach weil ich mit leuten sympathisiere, die nicht wissen, was sie wollen. und die mit mir schlafen möchten.

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