mein quasi-ex-freund hat eine neue freundin. das freut mich. es beschreibt den lauf der dinge. zumindest seinen lauf der dinge, weil ich hier merke, dass unsere läufe der dinger sich nicht decken.
bevor er mich kennenlernte, hatte er eine freundin. lange sache, hätten sich irgendwann aus langeweile und seiner idee des "laufes der dinge" fortgepflanzt. was sie nicht taten, da ich eines verrückten tages lächelnd in ihr leben trat. am gleichen tag noch beschloss er, sich dem lauf der dinge hinzugeben, und das hiess in jenem fall: nach helsinki fliegen, sich von langjähriger freundin trennen um mit mir nackte tatsachen auszukundschaften. es war aufregend. es war schön, immer war es schön, und immer war alles eingebettet in viel tränen und briefe, fotos von einem blonden mann und einer dunkelhaarigen frau lagen auf meinem nachttischchen, drei monate lang. bis ich eines tages merkte, dass das weinen nicht mehr rahmenveranstaltung, sondern hauptevent geworden war. ich trennte mich. unter der hardbrücke. es war früh am morgen. jemanden am morgen zu verlassen ist absurd. es ist die falsche tageszeit. doch wer geht schon am abend? in der nacht? von der nacht denkt man: die darf ich noch haben. die darf ich mir noch nehmen. das ist noch inklusive. ich habe erst auf morgen früh gekündigt. scheisse, wie wir uns selbst verarschen, pausenlos.
es vergingen drei monate in denen wir nicht miteinander sprachen. einen monat lang glaubte ich: ok, das war's. hier bleibe ich stehen, den rest meines lebens. ich stellte mich auf eine chronische depression ein.
die logische überlegung rechtfertigte meine depression nicht und deswegen entschliess sich mein kopf zur besserung. ich verlasse dich = i don't cry over you and get depressed = steh zu deiner entscheidung, die hast du nicht aus spass getroffen.
was meinen zustand jedoch sehr gut beschrieb, war der viel spätere kommentar meiner mitbewohnerin über ihren ex-freund: "i'm fine, i'm over him. he was the one who left me. so he is the one who has to live with the decision of leaving me his entire life. whereas me - i only have to accept. accept his decision, which he is responsible for, and he knows that."
jedenfalls verwandelte sich meine depression in gleichgültigkeit, und in diesem zustand befinde ich mich ever since. "na und?" - genau so.
und jetzt kommt der blonde mit einer neuen. fünf monate nach mir. er sprang von seiner ex zu mir. er springt von mir zur neuen. vielleicht geht es für ihn nur so weiter. bis er einmal die kraft hat, jemanden von sich aus zu verlassen? ohne versprechende neue perspektiven? ich hoffe es. dann kann er alleine sein. ganz alleine. alleine, weil er sich dafür entschieden hat. das ist das einzig wahre alleinesein und deswegen auch obligat, mindestens zwei mal im leben. jemanden ehrlich verlassen um anschliessend anständig zu pausieren. seine entscheidungen gelten und auch schmerzen lassen.
es irritiert mich leicht, dass er eine neue hat. natürlich.
wobei, wenn ich ehrlich bin, ist es mir gleichgültig.