nach dem auslandschweizer kam alles anders. der umgang mit begegnungen veränderte sich. alles wird ent-dramatisiert und dafür rationalisiert, wir sehen taten die für tatsachen sprechen und deuten diese tatsachen mit den realistischsten intentionen. keine tat ohne wille, der dahintersteckt, keine untat ohne unwille, der genauso prägnant dahintersteckt. der auslandschweizer brachte mir vor allem bei, dass man nicht lieben wollen kann. ich würde ihn immer noch genauso sehr lieben wollen, dieser wille wid nie schwinden, aber ich weiss nun, dass ich dieses nicht mit der liebe selbst verwechseln darf.
ich treffe männer und suche in ihnen etwas, ich suche lange und ausgiebig, ich grüble und google und strenge mich an, ich versuche alles zu sehen und alles zu hören, denn vielleicht, denke ich, vielleicht ist was da, das ich liebe. etwas, das den ganzen rest auslösen wird, die flöten und trompeten und später das grosse vertrauen. ich versuche sie zu vermissen, die männer, ich versuche einzuschlafen beim gedanken an ihre nackten körper, aber ich vermisse sie nicht und ich bringe es nicht fertig, von ihnen zu träumen. ich bringe im besten fall eine schmutzige fantasie hin. aber die ist wie eine chipspackung, die man nicht zum zvieri essen sollte, denn: sie sättigt nicht und ist nur eine vorübergehende lösung.
ich liebte alles am auslandschweizer, nur ihn liebte ich nicht.
gute nacht, sage ich.
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12 Kommentare:
Auch Bäckereien sind Orte der Begegnung. Hättest ruhig was über dieses Rencontre der besonderen Art schreiben können, statt dem Auslandschweizer Tränen nachzuweinen. Aber Letzteres tust du ja eben gerade nicht, das war ja die Essenz des heutigen Eintrags, soweit konnte ich der Prosa noch folgen. Du gibst dich deshalb verzweifelt – vergiss nicht, « Desperation is unsexy », wie meine Urgroßmutter aus Arkansas zu sagen pflegte. Also lass die Verzweiflung links liegen und stürze dich ins nächste Desaster – mit der Bäckereienbegegnung wäre dir ein derartiger Ausgang sicher... Aber nein, nicht doch gleich von Beginn weg so defaitistisch, vielleicht bringt hier der „Generation gap“ die nötige Unbeschwertheit mit.
soso, das ist also der bäckerjunge. liebe elettra, such long time no see, wir müssen marienkränzchen. ich beglückwünsche jedenfalls, dass sie den montagabend mit grubenarbeit im herz verbringen - es gibt schlechtere beschäftigungen. light a candle, put some starsailor in and cry. ist doch schön. schliesslich ist der winter für genau diese dinge da. zu diesem thema kannst du übrigens auch mit dem ex-velokurier/fotograf/wie hast du ihn genannt - gölä?! - eine selbsthilfegruppe gründen. oder mit mir zu den anonymen alkoholikern kommen.
es grüsst die marie
ja, darf ich vorstellen: marie, das ist der bäckerjunge, bäckerjunge, das ist die marie. ich habe fast schon eine selbsthilfegruppe mit keystoneboy aufgemacht - indem ich ihm netterweise schriftlich einen schönen sonntagabend gewünscht habe. ich maskiere meine desperation in agent provocateur, to be noted. und in arkansas spricht man übrigens nicht über sex und hat auch keinen - keine ahnung, wie der bäckerjunge also entstehen konnte. jetzt geh ich in die migros erfahrungen sammeln. (zählt das als hobby?) i say: thank goodness for the good souls, that make life better.
Das Vergnügen ist ganz meinerseits, Marie. A propos Marie: habt ihr denn noch nie vom unbefleckten Empfängnis gehört? Glaubt ihr denn etwa auch an die Evolutionstheorie? Wird Zeit, dass der Kreationismus auch in der Schweiz Einzug hält, nicht nur in Arkansas. Die Bibelfestigkeit der Tokio-Hotel-Generation lässt zu wünschen übrig. Ok, ich gebe es zu, ich gehe zu weit, was ich da schreibe suggeriert ja Unerhörtes; ich will es also dabei bewenden lassen, um mich nicht dem Vorwurf der Blasphemie auszusetzen. Bin zwar nicht gläubig, dafür abergläubisch. Zu deiner Frage: das Aufsuchen einer Migros-Filiale kann als Ausübung eines Hobbys betrachtet werden, jedoch unter der unabdingbaren Voraussetzung (die berühmte Conditio sine qua non), dass der Besuch besagter Lokalität im Versuch der Umsetzung einer Weltanschauung erfolgt, die der direkten und aufrichtigen Kommunikation mit fremden und attraktiv wirkenden Elementen einen höchst moralischen Wert zuschreibt. So die Betrachtung des Sachverhalts durch die Brille eines Bürokraten. Übrigens ganz fürchterlich, all diese Anglizismen.
ich darf anglizismen benutzen. ich bin so aufgewachsen. it's my background, bitch. das sind meine wurzeln, die da sprechen. so wie du fehler machen darfst, weil es in deiner natur liegt, darf ich anglizismen benutzen.
und abgesehen davon sind es ganze englische sätze oder satzteile, keine anglizismen. anglizismen wären ins deutsche überführte englische wörter. bei unserem gebrauch deiner als "anglizismen" betitelter englischer wörter ist es ja so, dass wir nur zu bewusst die sprache wechseln - es soll ein nebeneinanderstellen sein, kein vermischen. und deine gross- und kleinschreiberei ist ja wunderschön bezeichnend für deinen lahmen musikgeschmack. und umgekehrt. es freut uns indes auch, dass du ein fremdwörterbuch besitzt. liebe grüsse and - don't cry for me argentina.
danke schatz. der bäckerjunge seinerseits hat wohl auch so seine existenzialistischen daseinsschwierigkeiten wenn er nicht mal einen satz ohne fremdwort auf die reihe kriegt. ausserdem kann er ja nicht wissen, dass es sich bei unserer verwendung von englischen ausdrücken um ein sogenanntes code-switching handelt.
das ist dasselbe wie wenn wir sagen bangboombang on hardbrücke asap. you know.
kitty ist begeistert von eurer angeregten "zieschtigs-club" diskussion.
continuad! um eine dritte fremdsprache neben latein und englisch ins spiel zu bringen.
wäre es nicht "continuidad"?
nein! spanisch-lektion nr. 1:
continuidad ist das substantiv.
ich habe aber den imperativ zu continuar 2.pers.pl. verwendet.
morgen westkongolesische ureinwohnersprache, lektion 1 mit kitty
Aha, der Ton wird zusehends aggressiver. Und trotzdem giess ich noch ein wenig „oil in the fire“. Ist ja klar, wer Zeit seines Lebens in Egg hinter der Forch gelebt hat und wer eine Reise nach Bern bereits als kleines Abenteuer empfindet, kann sich wahrscheinlich kaum der Versuchung erwehren, sich im Sprachgebrauch auf seine wahren Wurzeln zurück zu besinnen. Der kulturelle Background (ist das nun ein richtiger Anglizismus?) schlägt durch, das ist geradezu unvermeidlich in einer solchen Situation. Das versteht sogar ein Urschweizer wie ich. Mein eigener Background rechtfertigt somit vielleicht auch meinen inflationären (schon wieder!) Gebrauch an Fremdwörtern. Je suis parfois tout simplement trop con pour trouver les mots en allemand. Voilà . Doch bei allem Respekt – wir kennen uns ja nicht einmal -, wenn man das Wort „Blasphemie“ im Duden nachschlagen muss, dann darf es nicht verwundern, wenn die Schweiz in Sachen Lesekompetenz in der Pisa-Studie so enttäuschend abschneidet. So, und damit möchte ich mein Gastspiel auf diesem Blog vorerst beenden. Mit meinem Ruf steht es hier nicht zum Besten. Und ich will doch nochmals einen Kaffee mit dir trinken, Jessica.
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